
Mitte der 70er Jahre gründete sich die Band Rodgau Monotones, damals bestehend aus Peter "Osti" Osterwold, Ali Neander, Raimund Salg, Joky Becker und J. "Mob" Böttcher. Alle aus dem Großraum Rodgau - versteht sich. Zuerst versuchte sich die Gruppe an Cover-Versionen von ZZ Top, Queen und Johnny Winter. Anfang der 80er besann man sich auf einen eigenen Stil, den die Band als "Party-Rock" bezeichnet. Nach Auftritten in der Frankfurter Batschkapp erkannte eine kleine Plattenfirma das Potenzial der Rodgau Monotones und brachte die erste CD "Wollt ihr Musik, oder was?" auf den Markt. Weitere Alben folgten. Der Hit "Erbarme, zu spät, die Hesse komme" machten die Monotones über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Aber seitdem ist es nicht still um sie geworden. Viele Jahre später und nach einigen Bandmitgliedern, die kamen und gingen, begeistert die Band immer noch.
Ihr wart die erste Rock-Band, die auf dem Hessentag 1987 in Melsungen im
Vorprogramm gespielt hat. Wie habt ihr euch dabei gefühlt, auf einem "Trachtenfest" zu spielen?
Ali Neander: Wir waren natürlich gerührt und fühlten uns auf eine besondere Weise mit Hessen verbunden. Man bezeichnet uns ja auch als Berufshessen. Unser Lied "Erbarme, die Hesse komme" ist jetzt schon 20 Jahre alt und trotzdem immer noch so etwas wie das Nationallied für dieses Bundesland. Seit 1989 sind wir dann wirklich fest installiert im Programm des Hessentags und sind immer wieder begeistert vom Publikum.
Für uns ist es etwas völlig Normales, auf solchen eher traditionellen Festen zu spielen. Es geht locker ab: Wir trinken nach dem Soundcheck ein paar Sauer-Gespritzte, essen gebrannte Mandeln und können uns mit den Leuten, die das Fest besuchen, unterhalten. Wir treten an vielen Orten auf, wo andere Rockbands meistens nicht hinkommen.
Was reizt euch besonders daran, beim Hessentag aufzutreten?
Ali: Uns macht es viel Spaß, vor den Leuten zu spielen. Wir fühlen uns mit dem hessischen Publikum verbunden. Vor allem in Nordhessen gibt es ein riesiges Publikum, das den Hessentag besucht. Das Fest ist jetzt viel weniger traditionell und auf dem besten Wege, richtig modern zu werden. Das zeigte zum Beispiel der Hessentag 2001 in Dietzenbach. Der war wirklich funky und locker.
Für uns bietet jeder Hessentag immer etwas Neues. Wir haben schon mit der Bigband des hessischen Rundfunks gespielt. Das war eine großartige Show! Und in Bad Arolsen standen wir sogar zusammen mit Jethro Tull auf der Bühne.
Was macht denn eurer Meinung nach den Charme des Hessentags aus?
Ali: Es ist vor allem ein identitätsstiftendes Fest. Hessentage laufen nach einem Ritual ab. Es gibt einen Markt, der sich vor einer Kulisse von typischen Fachwerkhäusern aufbaut. Das örtliche Gewerbe stellt sich vor. Die Bühnen, auf denen die lautere Musik gespielt wird, liegen dann eher außerhalb. Der Hessentag reflektiert in seiner Art der Planung und Durchführung die Lebensart der Hessen. Es ist eben immer ein bisschen chaotisch, aber zum Schluss geht es dann irgendwie glatt über die Bühne. Dieses lockere Verhalten und die Eigenart, trotzdem alles mit großen Worten auszuschmücken, ohne sich selbst ganz ernst zu nehmen, das passt einfach zu den Hessen.
Wie hat sich denn eure eigene Musik verändert? Früher habt ihr mehr Cover-Versionen von ZZ Top oder Metallica gespielt, heute ist einer eurer größten Hits "Erbarme, die Hesse komme!".
Ali: Ja, wir sind weg vom Covern und haben unseren eigenen Stil herausgebildet. Ich würde sagen, wir sind ein bisschen anachronistisch. Wir machen "Jurassic Rock" - traditionelle Rockmusik, die aber wegen unserer verrückten Einfälle nie langweilig wird. Die Mainstream-Musik von heute hat einfach ein zu schnelles Verfallsdatum, unsere Band ist dagegen richtig Retro. Wir haben uns das Handwerkszeug bewahrt. Das kommt auch gut bei den Leuten an, egal ob jung oder alt.
Vielen Dank für das Gespräch.